Romantische Straße 24. bis 30.07.2006

Da unsere eigentlich geplante Radtour in die Pfalz platzte, entschlossen wir uns nach einigem hin und her für eine Radtour, die uns jeden Tag an einen anderen Ort führen sollte. Natürlich mussten wir dazu mit Gepäck fahren.

Schnell war als Ziel Würzburg bzw. Volkach am Main vereinbart und auch die Strecke war bald klar: Wir wollten über Geisenfeld zur Donau, dann den Donauradweg bis Donauwörth und anschließend entlang der Romantischen Straße nach Würzburg fahren. Wenn wir Lust hatten wollten wir dann entlang dem Mainradweg noch nach Volkach radeln. Zurück sollte es dann per Bahn nach Rohrbach gehen. Die letzten Kilometer nach Rudelzhausen waren wieder per Rad eingeplant.

Schon vor der Abfahrt hatte ich mir passende Karten beschafft und die Abfahrtszeiten der Züge von verschiedenen Bahnhöfen aus im Internet rausgesucht. Nachdem Siggi, Maria und ich überlegt hatten, was wir für die geplante Tour an Kleidung mitnehmen wollten, ging es ans packen. In eine Radtasche kam die Radlerkleidung und in die andere ein paar T-Shirts und eine Hose für den Abend. Ein Regenumhang wurde vorsorglich mitgenommen, obwohl auch für die nächsten Tage schönes Wetter angesagt war. Die komplette Regenkleidung ließen wir aber zu Hause. Die beiden Radtaschen wurden dennoch fast voll und ziemlich schwer. Aber es half nichts. Das Gepäck und noch dazu zwei Liter Wasser mussten mit.

Am 24.07.2006, pünktlich um 9 Uhr, starteten wir zu dritt zu unserer Wochentour. Entlang der gewohnten Wege ging es über Steinbach, Oberempfenbach und Rottenegg nach Geisenfeld. Hier fuhren wir auf dem Radweg nach Manching. Das Wetter war bestens: Strahlender Sonnenschein und sehr warm. Entlang des Donauradweges sollte es weiter gehen. Wir verfuhren uns aber leicht und gelangten daher auf einem anderen Weg nach Ingolstadt, wo wir dann den Donauradweg fanden und ihm hauptsächlich auf Kiesstraßen durch Wälder bzw. die Donauauen weiter Richtung Neuburg folgten.

Die ein oder andere Wasserpause musste unterwegs natürlich sein, da wir bei den hohen Temperaturen so richtig schwitzten. Kurz vor Neuburg kamen wir dann wieder auf geteerte Wege und die letzten sechs Kilometer bis Neuburg verliefen völlig gerade immer entlang der Straße. 70 Kilometer waren geschafft und damit hatten wir uns natürlich eine Mittagspause verdient. In einem Brauereigasthof gab es Gulasch und natürlich zwei halbe Wasser gegen den Durst.

Siggi und Maria einer „Wasserzapfstelle“

Dann ging es weiter über Rennertshofen und Marxheim. Es war noch heißer geworden und der Weg verlief jetzt nicht mehr fast eben, sondern ständig bergauf und bergab. So waren wir ganz schön froh, als wir gegen 17 Uhr an unserem ersten Tagesziel in Donauwörth ankamen. Immerhin waren wir 105 Kilometer geradelt.

Im Fremdenverkehrsamt ließen wir uns gleich ein Zimmer im Gasthof Goldener Hirsch mitten im Ortszentrum geben und erkundigten uns nach einer Stadtführung. Schnell bezogen wir die Zimmer und machten uns fertig, da die Führung schon um 18 Uhr startete. Außer uns dreien machte noch ein Ehepaar aus Hamburg die Führung mit. Unser Stadtführer erzählte uns ziemlich viel. Er redete und redete, bis wir gegen 19.30 Uhr wirklich alles Wissenswerte über Donauwörth erfahren hatten.

Nach der Führung gingen wir zum Essen in einen Biergarten. Das Jugoslawische Essen schmeckte gut und war sehr reichlich. Gemeinsam mit den Hamburgern tranken wir noch ein paar Getränke und erzählten so manche Begebenheiten aus früheren Fahrten, bevor wir um 23 Uhr, geschafft vom ersten Tag, ins Bett fielen.  


Am zweiten Tag starteten wir mit einem sehr guten Frühstück in den Tag.

Peter, Maria und Siggi vor unserer ersten Unterkunft bereit für den Start zum 2. Tag

Unser Stadtführer hatte uns am Vortag empfohlen nicht auf dem Radweg entlang der Straße nach Harburg zu fahren, sondern einen kleinen Umweg über einige Anhöhen zu nehmen, da dieser Weg schöner sei. Der Radweg „Romantische Straße“, dem wir ab hier bis Würzburg folgen wollten, führte uns aber ohnehin auf dieser Strecke nach Harburg. Dort war die eigentlich sehenswerte alte Brücke voll eingerüstet, so dass wir sie weder bestaunen noch benutzen konnten. So gelangten wir über die normale Brücke auf die andere Seite des Baches. Hier führte der Radweg plötzlich steil nach oben (mindestens zwei dicke Pfeile in der Radlerkarte). 

Wir schwitzten ganz schön und waren heilfroh, als wir nach einigen hundert Metern eine Kurve und damit einen etwas flacheren Teil des Weges erreichten. Nach einer kurzen Wasserpause fuhren wir dann aber noch zum Harburger Schloß hoch. Von hier aus hatten wir die beste Aussicht über die Dächer der Stadt.

Blick vom Schloß auf Harburg – in der Mitte die eingerüstete alte Brücke

Schon bald fuhren wir weiter ins Ries und erreichten nach etwas anstrengenden 38 Kilometern Nördlingen. Wir versperrten die Räder und schauten uns die sehr schöne, gut erhaltene Altstadt an. Auf der Stadtmauer gingen wir dann um die halbe Stadt herum, bevor wir  mitten in der Altstadt ein gutes Mittagessen genossen. Dann besichtigten wir das Rieskratermuseum, in dem einem jede Art von Meteor oder Meteorit usw. vorgestellt wird. Wir erfuhren – wie wir auch schon in der Schule gelernt hatten-, dass vor etwa 15 Millionen Jahren hier ein Meteor eingeschlagen war. 

Gegen 15 Uhr machten wir uns bei sehr großer Hitze wieder auf den Weg Richtung Dinkelsbühel. Jetzt waren die geteerten Wege wieder zu Ende. Es ging hauptsächlich auf sehr kräftezerrenden Schotterwegen ständig bergauf und bergab. Wir freuten uns auf jede geteerte Teilstrecke, da dort das Rad einfach viel leichter lief. Schließlich erreichten wir gegen 17 Uhr, nach 80 Kilometern Tagesstrecke Dinkelsbühel.

Im Fremdenverkehrsamt fragten wir nach Übernachtungsmöglichkeiten und wieder nach einer Stadtführung. Wir entschlossen uns dieses Mal in einer Pension zu übernachten. Die Privatzimmer waren zwar ca. 1,2 km von der Stadtmitte entfernt, dafür aber günstiger. Nach dem Abendessen ging es zur Stadtführung, die um 20.30 Uhr starten sollte. Es kam aber kein Führer. Wir entschlossen uns daher auf die Tour mit dem Nachtwächter zu warten. Wenigstens auf den Nachtwächter war Verlass. Er kam pünktlich um 21 Uhr und lies gleich mal sein Lied „Hört ihr Leut ich muss euch sagen, unsere Uhr hat neun geschlagen …..“ los. Dann erklärte er was ein Nachtwächter früher machen musste und wie seine Tour für uns Touristen jetzt aussieht. Wir zogen mit ihm von Wirtshaus zu Wirtshaus und überall gab er sein Lied zum Besten. Dafür gab es jedes Mal ein Glas Wein und manchmal Bier sowie Apfelschorle für die Kinder. Den Wein trank er aber nicht selbst, sondern gab ihn an uns weiter.

Auf dem Weg durch die Altstadt von Dinkelsbühel wurden auf diese Weise 13 Wirtschaften aufgesucht und wir hatten doch noch eine Art Stadtführung bekommen.   Nach der Tour kehrten wir noch kurz ein, bevor wir mit den Rädern zurück zu unserer Unterkunft fuhren.


Am dritten Tag starteten wir um 9 Uhr. Gleich in Dinkelsbühel nahmen wir den falschen Weg. So ging es eben auf der Umgehungsstraße um Dinkelsbühel herum und zurück auf die „Romantische Straße“. Heute führte uns der Radweg auf schönen geteerten Straßen und Wegen mit nur einigen Anstiegen nach Feuchtwangen. Wir fuhren aber nur durch die Altstadt und machten nicht Halt.

Erst in Schillingsfürst machten wir Pause. Auf der Terrasse vom Hotel Post gab es einen frischen Salat als Mittagsessen. Schon bald fuhren wir wieder weiter. Auf der Abfahrt bog eine Gruppe von mindestens 40 Radlern in unsere Straße ein. Sie fuhren teilweise zu dritt und viert nebeneinander bergab. Unkontrolliert scherten einige aus und überholten die anderen. So bremste ich lieber ab und genoss nicht den „Rausch“ einer schnellen Bergabfahrt. Ich kam aber dafür sicher runter.

Langsam waren Wolken aufgezogen und der Himmel wurde schwarz. Die ersten Regentropfen fielen. Wir stellten uns unter und wollten das Ende des Regens abwarten. Zu lange brauchten wir nicht warten. Schon nach fünf Minuten hörte der Regen auf und die aufgeheizten Straßen waren ruckzuck wieder trocken. Gegen 15 Uhr und nach 53 einfachen, kräfteschonenden Tageskilometern erreichten wir Rothenburg ob der Tauber, das Ziel unserer dritten Tagesetappe.

Durch das Tourismusbüro bekamen wir wieder schöne Zimmer in einer Pension in der Altstadt. Eine Stadtführung konnte uns leider nicht mehr angeboten werden, dafür aber wieder ein Nachtwächter. Nach einer Dusche ging es zu Fuß durch die Altstadt von Rottenburg, bevor wir ins Kartoffelhaus zum Essen ging. Siggi musste natürlich ein Steak essen und auch ich bereute nicht, dass ich mich anschloss. Das Essen war wirklich sehr gut.

Um 21.30 Uhr war es dann Zeit für die Tour mit dem Nachtwächter. Er führte uns zusammen mit vielleicht 50 Personen durch die Altstadt und hielt immer wieder an, wobei er dann in kurzweiligen Geschichten jeweils über die Stadt oder das Leben im Mittelalter erzählte.  


Am vierten Tag war das Wetter schon wieder schön. Nach einem guten Frühstück starteten wir wieder um 9 Uhr. Schöne geteerte Radwege führten uns durchs Taubertal bis Creglingen. Weinberge tauchten auf. Ab hier ging es dann immer bergauf und bergab, später aber wieder beinahe eben bis nach Bad Mergentheim. Zu Mittag gab es auch heute einen Salat und ein paar Wasser.

Um 13 Uhr fuhren wir weiter nach Tauberbischofsheim, wo wir nach 73 Kilometern gegen 14.30 Uhr ankamen. Zimmer zum Übernachten suchten wir uns heute selbst. Wir wurden in der Pension „Resi“ fündig. Ein Stadtbummel verbunden mit einem Kaffeebesuch schloss sich an. Zum Essen gingen wir in ein Steakhaus und aßen wieder Steak. Abends gab es noch einen Absacker in Resies Kneipe und dabei erstmals auch fränkischen Wein aus Tauberbischofsheim.  


In den fünften Tag starteten wir wie an den Vortagen um ca. 9 Uhr nach einem guten Frühstück. Zuerst fuhren wir weiter im Taubertal, dann aber rechts hoch in Richtung Würzburg. Der Weg stieg jetzt ständig leicht an. Dann kam ein heftiger Anstieg, eine schnelle Abfahrt und gleich nochmals ein ziemlicher Anstieg. „Fertig“ und ausgepowert kamen wir oben an. Nach einer Wasserpause ging es aber besser weiter. Würzburg war nicht mehr weit. Schon bald konnten wir immer bergab nach Würzburg reinfahren. Hier sahen wir ziemlich schnell den Unterschied zwischen einer Stadt mit 150.000 Einwohnern und den kleinen Städten mit vielleicht 10 – 15.000 Einwohnern in denen wir zuvor Halt gemacht hatten. In Würzburg herrschte Verkehr. Und was für einer. Wir mussten ganz schön aufpassen um nicht mit anderen Radfahrern oder Fußgängern zusammen zu stoßen oder eine Ampel zu übersehen.

Im Tourismusbüro konnte man uns nur Hotelzimmer vermitteln. Aber wenigstens wurde uns die Lage der Vermittlungsstelle für Privatzimmer genannt. Dort bekamen wir zwei Zimmer ohne Frühstück und nur mit einer gemeinsamen Dusche und einem gemeinsamen WC am Flur. Die Zimmer befanden sich in einem alten Haus, das direkt am Main lag. Ich hatte von meinem Zimmer aus den allerbesten Ausblick auf den Main und auf die Festung Marienberg. Schnell zogen wir uns um da es schon um 14 Uhr am Bahnhof zur Stadtrundfahrt per Bus losging. Auf dem Weg zum Startpunkt der Stadtrundfahrt gab es ein Sandwich und ein Wasser als Mittagessen.

Wir fuhren dann mit dem Bus der Stadtrundfahrt kreuz und quer im Stadtkern umher, wobei wir auch ein paar Mal z.B. am Dom und an der Residenz anhielten. Unsere Stadtführerin erklärte uns die verschiedenen Gebäude und Sehenswürdigkeiten.

Nach einem Sparziergang durch den Garten der Residenz fuhren wir mit dem Linienbus zur Festung Marienberg hoch. Da wir schon spät dran waren, war alles geschlossen. Wir konnten daher nur die Festung von außen anschauen und den super Blick über Würzburg genießen. Auf einem Weg durch die Weinberge ging es dann in die Stadt zurück. 

Beim Lokal fürs Abendessen waren wir uns zuerst nicht ganz einig. Siggi wollte schon wieder Steak und das mitten in Franken. Dann entschlossen wir uns aber doch für den Ratskeller und für die fränkische Küche. Ich bin sicher es schmeckte auch Siggi gut.


Am sechsten Tag trafen wir uns um 8 Uhr vor dem Haus um zum Frühstücken in die Fußgängerzone zu gehen. In einer Bäckerei mit Cafe bekamen wir was wir wollten. Zurück im Zimmer machten wir alles zur Abfahrt fertig, da wir wieder um 9 Uhr los wollten. Als ich meine Radtaschen runter trug dachte ich Siggi und Maria wären noch oben und lies die Tür hinter mir ins Schloß fallen. Siggi und Maria waren aber schon auf der Straße und mein Schlüssel und mein Geldbeutel in meinem Zimmer.

Jetzt war guter Rat teuer. Wie sollten wir ins versperrte Zimmer kommen? Die Zimmereigentümerin wohnte wo anders, wobei wir aber nicht wussten wo. Zum Glück hatten auf der anderen Seite gestern Bauarbeiten stattgefunden und es lag noch eine Leiter auf dem Gelände. So kletterte Siggi über die Terrasse ins Zimmer und konnte die Tür öffnen. 

Mit etwas Verspätung verließen wir Würzburg und fuhren immer den Main entlang über Ochsenfurth nach Kitzingen. In Dettelsbach machten wir Halt und aßen zu Mittag. Weiter ging es dann nach Volkach, das wir nach 71 Tageskilometern erreichten. Die Information war nur am Vormittag geöffnet gewesen, die Zimmersuche wurde damit etwas schwieriger. Noch dazu war heute Samstag und anscheinend waren viele Gäste in Volkach. So fanden wir erst nach längerer Zeit ein Doppelzimmer für Maria und Siggi und für mich in einer Pension ein großes Zimmer, das auch als Einzelzimmer vermietet wurde.

Im „Hinterhöfele“ gab es Kaffee und nach einem Stadtrundgang auch ein gutes Essen, sowie natürlich guten Frankenwein. Erst als fast alle Gäste weg waren, machten auch wir uns an unserem letzten Abend der Radltour auf den Nachhauseweg.


Am siebten und damit letzten Tag fuhren wir nach Kitzingen, das wir eigentlich besichtigen wollten. Jetzt um 10.30 Uhr war dort aber nichts los. Alles war menschenleer. So entschlossen wir uns lieber gleich heim zu fahren. Unser Zug fuhr um 11.02 Uhr los. Um 12 Uhr kamen wir in Nürnberg an. Wir hatten kurz Aufenthalt und mussten umsteigen. Wir besorgten ein Sandwich und etwas zu trinken. Dann ging es um 12.40 Uhr weiter. Zwei Stunden später, nach einer angenehmen Zugfahrt kamen wir kurz vor 15 Uhr in Rohrbach an. Mit den Räder fuhren wir über Fahlenbach und Wolnzach nach Hause.

Festzuhalten bleibt: Es war eine sehr schöne Radtour, wir bekamen problemlos unsere Unterkünfte und wir hatten super Radlerwetter. Gefahren sind wir auch immerhin 480 Kilometer in sieben Tagen.